auf der Suche nach mir selbst

Yippieh

Hausarbeit geschafft und jetzt gehts ab in den Urlaub!!!

Wollte ich nur mal so gesagt haben

 

1 Kommentar 3.8.10 15:41, kommentieren

Schwungrad ohne Dämpfung

Ich kann grad nicht wiederstehen, über dieses Thema zu bloggen. Eigentlich soll ich darüber ein Protokoll schreiben und das in der Uni abgeben.

Dieses Rad ist so befestigt, dass es sich immer hin und her drehen kann, mit einer Feder. Es kann sich entweder um eine ganze Runde drehen und dann wieder zurück, oder nur um ein paar Zentimeter hin- und her- wackeln, je nachdem, wie stark man es anstößt. 

Wenn man es also ganz herumdreht und dann loslässt, dann schwingt es die ganze Runde immer wieder hin und zurück, allerdings nicht in beliebigem Tempo, sondern es braucht immer gleichlange für eine Drehung, hat also eine Eigenfrequenz, mit der es schwingt. 

An die Feder des Rades kann man einen Motor anschließen, an dem das Tempo variabel einstellbar ist. 

Und man kann das Rad noch dämpfen, also die Schwingung abbremsen, auch das unterschiedlich stark. 

Wenn man den Motor nun einschaltet, fängt das Rad an, hin und her zu  schwingen. Wenn der Motor aber nicht ganz die selbe Frequenz, also Drehzeit, wie das Rad hat, schwingt das Rad noch in die eine Richtung, während der Motor es in die andere Richtung zieht, also kann es nicht sehr weit schwingen, nur ein paar Zentimeter.

Wenn man nun den Motor anders einstellt, ist man irgendwann so weit, dass er die Resonanzfrequenz erreicht, er bremst das Rad also nicht mehr, und es antwortet darauf, indem es immer weiter schwingt, bei jeder Bewegung vom Motor weiter beschleunigt wird, und bis zum Anschlagpunkt dreht.

Wenn dieser nicht wäre, würde das Rad wahrscheinlich immer schneller und weiter drehen, bis die Konstruktion es nicht mehr aushalten kann und auseinanderbricht. 

Wenn man das Rad dämpft, dann wird es zusätzlich gebremst und hat nur in einem winzig kleinen Freuquenzbereich so viel Beschleunigung durch den Motor, dass es stark schwingt, und selbst dann nicht so kritisch, dass es kaputt gehen könnte.

Teuflisch wird es aber, wenn man es nicht dämpft, dann schwingt es bei ganz vielen Motorfrequenzbereichen extrem aus, da nützt es auch nichts mehr, wenn der Motor schon längst die Richtung  gewechselt hat, das Rad hat so viel Schwung, dass es weiter maximal dreht.

 

Was will ich damit sagen?

Wir sind so ein Schwungrad. Wenn wir auf etwas stoßen, was uns berührt, sei es nun Umweltschutz, andere Menschen, bestimmte Verhaltensweisen, Sportarten, Ernährungsphilosophien, Lebensentwürfe, dann zeigen wir Resonanz, schwingen mit, fühlen uns lebendig. 

Wenn wir gedämpft werden, dann schwingen wir nicht so extrem weit aus, und nur bei Dingen, die uns wirklich berühren und überzeugen. 

Dämpfen können uns Freunde, Liebe, Menschlichkeit, Gesellschaft, Wohlfühlen, Nähe, und vor allem  Glücklichsein.

Wenn aber die Dämpfung nicht vorliegt, dann können wir bei etxrem vielen Dingen ausschwingen, und wir schwingen viel zu weit aus, bis zum Anschlag. Jede Kleinigkeit, jede kleine Motorbewegung, kann uns triggern.

Und dann hängt es nur noch davon ab, welche Motorfrequenz nun zufällig eingestellt ist, um zu entscheiden, was uns so sehr anregt, dass wir wirklich extreme Auslenkungen haben, uns durch unseren eigenen Schwung zerstören können. 

Es kann unser Essverhalten sein, Drogen, Alkohol, Zigaretten, oder andere zerstörerische Verhaltensweisen und Angewohnheiten.Ursprüngliche positive Dinge wie gesundes Essen und Sport können so wild schwingen, dass wir uns damit schaden können.

Kein sanftes fröhliches Pendeln mehr, sondern eine Raserei im Kreis. 

Wenn wir einmal schwingen, hören wir nicht mehr auf ohne ausreichende Dämpfung. 

 

Klar, auch wenn man ungedämpft ist, wenn man den Motor niemals anschaltet, dann fängt man auch nicht an zu schwingen. 

Wenn man sich also von allen potenziell suchtauslösenden Stoffen und Verhaltensweisen fernhält. 

Aber wie leicht kann es passieren, dass man doch einmal leicht angestoßen wird. Und wie schade wäre es, sich niemals ein bisschen zu drehen, dann wäre man doch gar nicht lebendig. 

Prävention heißt hier nicht, fern halten, sondern Prävention heißt, ausreichende Dämpfung einbauen, dass man niemals richtig wild schwingt. 

 

1 Kommentar 1.8.10 11:33, kommentieren

Antwort auf eure Kommentare - wenn ich mich selber kommentieren will, sieht myblog das als spam!!!

Hey, ihr Lieben, danke für eure Kommentare.

@wolfsauge: ja, ich wünschte auch, ich könnte mal wieder echt weinen. Damals, in meiner Pubertät, habe ich so viel geweint, fühlte mich unglücklich, aber immerhin konnte ich alles rauslassen, habe die Gefühle noch zugelassen. Zumindest wenn ich allein war.
Jetzt spüre ich zwar diesen See in mir, mir ist so oft zum Weinen zumute, und doch weine ich nicht.
Irgendwie muss ich einen Weg finden, zu weinen, einfach alles rauslassen.

Nein, ich habe mich niemandem anvertraut. Ok, meine Mutter merkt, wie mein Essverhalten manchmal schwankt, sie sieht auch meine zeitweise Antriebslosigkeit, aber das Meiste verberge ich hinter meiner Maske.
Meine Freundinnen merken noch weniger. Ich verberge mich da hinter einer völlig "normalen" Maske, habe eine "normale" Figur, nicht dick, nicht dünn, esse in der Öffentlichkeit grundsätzlich normal, vielleicht ein wenig gesünder als andere, und bin fast immer am Lächeln. Früher war ich immer am Lächeln, bis mir mal eine Freundin gesagt hatte, dass das nicht lebendig, nicht menschlich wirkt, also habe ich mittlerweile ein paar Gefühle eingebaut, nicht alles, was ich fühle, aber gerade so viel, dass es real wirkt, lebendig.
Damals, noch in der Schule, hatten mal ein paar Mädels ein Gespräch über depressive Stimmungen, ich wollte da auch was zu sagen, aber sie nahmen mir nicht ab, dass ich solche Stimmungen überhaupt kenne, ich war ja die immer Lustige.
Ja, vielleicht sollte ich mich jemandem anvertrauen, aber irgendwie bin ich noch nicht bereit dazu. Ich habe mich an meine Masken zu sehr gewöhnt, und ich kämpfe ja auch noch, und ich denke oft, ich kann es ja mal irgendwann erzählen, wenn ich drüber hinweg bin, in der Vergangenheitsform. Und ich vertraue keinem in meiner Umgebung wirklich, was so schade ist, eigentlich sollte jeder Mensch jemanden haben, dem er vertrauen kann. Im Moment kann ich aber glaub ich so viel Nähe nicht zulassen.


@kiso: Danke für dein Kompliment, ich fühle mich geehrt.
So, dass es für mich selber sichtbar ist, habe ich mein Essproblem erst ungefähr zwei Jahre. Davor war es wohl im Hintergrund auch vorhanden, dass ich mal heimlich Süßigkeiten in mich reingeschlungen habe oder dass ich jahrelang mein Abendessen zugunsten von Sport gekippt habe und entweder hungerte oder fraß, wenn ich Probleme mit meinen Emotionen hatte; aber es war nicht wichtig damals insofern, dass es meine Gedanken ständig beschäftigt hatte, und ich hatte mich auch bis vor zwei Jahren weder für Kalorien noch für Zahlen auf der Waage interessiert, nur für meinen Bauch, wie der sich anfühlte und aussah.
Dann kam das Abi, Misserfolge bei Bewerbungen, Perspektivlosigkeit, und soviel freie Zeit, die ich mangels anderer Beschäftigung mit Nachdenken übers Essen verbracht habe, mit der Zubereitung von Essen, mit Fasten, mit Sport usw. Habe mit dem deutlicher werden einer Essstörung die Leere in mir gefüllt.
Aber ich suche nach so viel mehr, möchte nicht nur in meiner Leere rumwühlen, sondern richtig Leben, für etwas sinnvolles leben, glücklich werden.
Ein entscheidender Auslöser war wohl auch, dass mir das Reiten genommen wurde, also im Kopf, ich hatte mich als Pferdewirtin zur Ausbildung beworben und wurde als untalentiert abgelehnt, nachdem mir vorher jahrelang das Reiten in allen Situationen geholfen hatte, musste ich nun hören, dass ich zu blöd dafür war. Gut, ich konnte immer noch Reiten gehen, aber es fühlte sich nicht mehr so gut an.
Trotzdem, richtig tief in die Essstörung bin ich nie reingerutscht, sie war zwar im Kopf ständig vorhanden, aber gelegentlich konnte ich auch normal essen, und ich glich Hungerphasen mit Fressphasen aus oder umgekehrt, und vor Menschen aß ich immer normal, also rein äußerlich konnte man mir wohl nichts ansehen.


Ja, wie oft habe ich schon ein Buch am Stück durchgelesen, hab meinen ganzen Nachmittag und die halbe Nacht gelesen, konnte einfach nicht aufhören.
Ich hab so viele Bücher, die so großartig geschrieben sind, dass ich sie mehrmals lesen musste, und es ist auch so schön, einfach mal für eine Zeitlang ein anderer Mensch zu sein, die Hauptperson im Buch statt mein eigenes armseliges Ich.

 

Noch mal zu dem Maskenthema: So eine Maske kann auch eine Falle sein, nämlich wenn ich immer nur daran arbeite, meine Maske zu perfektionieren, und dabei mein eigenes, eigentliches Ich vergesse.
Und auch dann, wenn ich dadurch missverstanden werde. Mein Exfreund (ich hab ihn ein paar mal hier im Blog erwähnt, wer will, kann es nachlesen) hat mich während unserer Beziehung immer fröhlich, gesund, ein bisschen exzentrisch und immer lachend erlebt, und nach dem Aus hielt ich es nicht mehr für nötig, ihm meine lachende Maske zu zeigen, also glaubte er, ich sei unglücklich ohne ihn, weil ich ja in seiner Anwesenheit nicht mehr lachte. Und weil ich ja so fröhlich war damals und mich so gesund ernährte, nahm er mich als Vorbild, als Antidepressivum (er hatte auch Stimmungsschwankungen), als Abnehmhilfe und als Vorbild, mehr Sport zu machen.
Ja, es ist schön, anderen so helfen zu können, aber meine wahre Persönlichkeit ging dabei völlig unter, und als ich ihn mal tiefer in mich einblicken lassen wollte, da weigerte er sich, mich anders zu sehen, als das Idealbild, das ich ihm von mir zeigte und das sich in seinem Kopf festgesetzt hatte.

Ich wusste, dass ich niemals perfekt sein kann, aber ich wollte zumindest perfekt wirken, bastelte mir eine perfekte Maske zusammen, für jeden in meiner Umgebung ein bisschen anders, fröhlich war immer mit drin, aber je nach Person dann noch lieb oder selbstbewusst, temperamentvoll oder ruhig in verschiedenen Abstufungen. Gebildet, sportlich, ausgeglichen, mit einer gesunden Einstellung zum Aussehen und zum Essverhalten, ein bisschen fleißig, aber keinesfalls eine Streberin, nicht zu perfekt und abgehoben, sondern perfekt normal, so wie ich mit anderen am Besten klarkommen konnte. Und so wenig davon ist echt. 

Und heimlich, selbst vor mir verborgen, suche ich nach echter Perfektion, absoluter Perfektion, obwohl ich weiß, dass sie  nicht existiert, aber vielleicht, vieleicht ja doch, und es hat sie bloß noch keiner erreicht.

 

Zwischenbilanz: Was an mir ist echt? Was bin ich und nicht meine Maske?

*ich bin Vegetarierin

*ich lese und schreibe gern

*ich weiß, dass ich noch nicht am Ziel bin

so wenig, was ich wirklich mit voller Überzeugung von mir sagen kann. 

Ich suche weiter, irgendwo muss noch mehr Erkenntnis sein. 

 



Danke für eure positiven Wünsche und Energien

2 Kommentare 1.8.10 10:54, kommentieren

Hinter der Maske - Tauchen im Tränensee

Wenn ich mein Zimmer verlasse, setze ich eine Maske auf, grüße freundlich meinen Bruder, halte Smalltalk mit meiner Mutter, habe sogar ein Date, bin da fröhlich, lustig, eine gute Zuhörerin, die gelegentlich auch mal was sagt. Mach noch schön Mittagessen mit meinem Bruder, alles scheint in Ordnung.

Die perfekte Maske. 

Wenn ich allein bin, kann ich sie absetzen. Was bleibt, sollte mein ICH sein. Doch ich sehe nichts, nur Leere. Bei genauerem Hinsehen, ein See aus Tränen, die ich nicht weine, wovon ich nicht weiß, woher er kommt. 

In den letzten Wochen habe ich diesen See zugeschüttet mit Essen, versucht, ihn trocken zu legen. Das Essen konnte für ein paar Stunden die Oberfläche bedecken, bevor es versunken ist, mich wieder mit dem See allein ließ. 

Außer wenn ich ihn auch vor mir selbst hinter der Maske verberge. 

Doch er wird größer, lässt sich nicht mehr so leicht verbergen. Und ich werde neugieriger, er ist ein Teil von mir, ich möchte ihn sehen, erkennen, in ihm tauchen. 

Und reduziere mein Essen, wenn ich hungere, kann ich im See abtauchen. Möchte mich dort voll und ganz spüren, aber ich spüre dort nur weniger, alles fließt um mich, die Tränen sind kalt, ich friere. Es ist angenehm, einfach in mir selbst zu schwimmen. Aber nicht alltagstauglich. 

Die Oberfläche interessiert mich kaum noch, ich tauche zu tief. 

Da ich aber noch für die Uni arbeiten muss, kann ich mir das nicht leisten, habe mich zum Essen gezwungen, um den See wieder zur Ruhe zur bringen, einen anderen Weg kenne ich nicht. 

Soviel gesundes Essen hätte ich nicht geschafft, ich musste mal wieder auf den verhassten Zucker zurückgreifen. Er fügt dem See weitere Tränen hinzu, weil ich mich nie wieder so ungesund ernähren wollte, aber er wirkt, bedeckt die Oberfläche für einen Tag. Es musste sein. 

Und doch ekelt es mich an. 

Dabei hätte ich gerade heute so viel Anlass zum Freuen gehabt, ein Spitzenklausurergebnis erfahren, einen netten Anruf gehabt, wo mir für meine bisherige ehrenamtliche Arbeit gedankt wurde, einen netten Kommentar gehabt, eine SMS von meinem Date gekriegt, er will sich wieder mit mir treffen. 

Und doch verschwamm es irgendwie, ich hatte es jeweils kurz zur Kenntnis genommen und bin dann wieder abgetaucht, wenn nicht meine Hausarbeit wäre, würde ich weiter tauchen gehen. 

Ich habe es satt, eine Maske zu tragen, ich habe es satt, meinen See krampfhaft zuzuschütten. 

Irgendwann muss ich all die Tränen weinen, nur tauchen bringt mich wohl auch nicht weiter, entfremdet mich nur von der Realität. 

Und ich möchte auf Spurensuche gehen, sehen, wie dieser See entstanden ist. 

Und ganz unten auf dem Grund des Sees, vielleicht liegt da der kostbare Schatz, den ich suche, mein wahres Ich. 

Wenn alle Tränen geweint sind und die Maske gelüftet wird, dann kommt es zum Vorschein, klar und rein unter dem See erhalten.

Ich suche. 

3 Kommentare 30.7.10 21:05, kommentieren

Aber offensichtlich ist das das einzige,was man bei Zwangsgedanken und -impulsen tun kann. Akzeptieren,dass sie da sind und feststellen "Es sind nur Gedanken. Ich bestimme,was ich tue."  by Wolfsauge (wenn du nicht willst, dass ich den Spruch von dir nehme, sag Bescheid)

Lernen Sie NEIN zu sagen: Wenn Sie zu allem ja sagen, haben Sie keine Zeit mehr für Ihre Prioritäten. Und das ist grosses Frustpotential. Je klarer Ihre Ziele sind, umso leichter fällt es Ihnen NEIN zu sagen. by Martin Betschart

 

Ich muss lernen, NEIN zu sagen, NEIN gegenüber den Gedanken, die mir sagen, ich soll essen, bis der Bauch weh tut, NEIN gegenüber der Schokolade, die mir sagt, iss mich auf, ich tu dir so gut. Und NEIN dann gegenüber dem Alles-Egal-Gedanken nach der einen Schokolade, der mir sagt, jetzt hast du ein verbotenes Nahrungsmittel gefressen, jetzt kannst du noch ganz viele Andere hinterherstopfen. NEIN gegenüber den Menschen, die mir ständig wohlmeinend etwas anbieten, wenn ich weiß, es tut mir nicht gut, aber NEIN auch gegenüber dem Impuls, mir alles verbieten zu wollen, mir das Essen komplett verbieten zu wollen, auch ich darf Dinge genießen.

Wenn ich mich finden will, muss ich lernen, selber auszudrücken, was ich selber will. Und das auch durchsetzen. Einfach frei entscheiden, wohin ich will, was meine Prioritäten sind, und das dann durchzuziehen, konsequent, aber freundlich.

Keinen Umrennen, mich nicht abkapseln, nur um keinen Widerspruch zu kriegen, einfach da sein, ICH sein. 

Andere Meinungen akzeptieren, aber mich nicht automatisch anpassen und meine eigenen Meinungen, mich selber, nicht mehr akzeptieren. 

Ich will auch dann freundlich zu Anderen sein, wenn ich mich selber als wichtigste Person in meinem Leben akzeptiere, wirklich MICH, und nicht meine Zwangsgedanken. 

 

Wer bin ich denn, was denke ich, was will ich, was bleibt übrig, wenn alle Zwänge verschwinden?

2 Kommentare 30.7.10 09:09, kommentieren

Lebenskarussel, Essenskarussell

Ich merke gerade, ich drehe mich im Kreis.

Was ich im Februar geschrieben habe, gilt jetzt noch genauso.

Ich sitze auf einem Karussell, komme immer wieder an den selben Punkt. Lerne meine Ursachen kennen, schmiede neue Pläne. Denke über einen neuen Job nach, übers Ausziehen, alles wiederholt sich.

Zwischen allem mein Essverhalten. Auch das wiederholt sich. Wenig essen, viel essen, gesund essen, Süßigkeiten essen.

Solange ich auf diesem Karussell sitze komme ich nicht weiter im Leben. Aber ich kann auch nicht vollends abstürzen, mich nicht vollends verirren. 

Sitze einfach nur da und wirbele im Kreis herum. Alles wiederholt sich. 

Nur ich wiederhole mich nicht. Meine Gedanken kommen immer wieder, doch ich werde älter. 

Und ich denke auch immer weiter, manche Gedanken sind neu. Oder nur die alten Gedanken im neuen Kleid?

Irgendwann denke ich weit genug, um abzusteigen, auszusteigen, kenne mich, kenne einen Weg für mich, irgendwann habe ich genug Überblick, um nicht mehr auf diesen sicheren Sitz angewiesen zu sein.

Sicher, aber nicht glückbringend, nicht zukunftsweisend. 

Kein Stillstand, ich bewege mich ja, drehe mich immer schneller. Aber auch kein Fortkommen. 

Mir wird schwindelig. 

Wie soll ich da klar denken?

Ich muss aussteigen, aber auf welcher Seite des Kreises? Wo liegt der Abgrund, wo kann ich hin?

Ich muss beobachten, klar sehen, wie es um mich aussieht. 

Das Karussel fährt zu schnell, wer kann es bremsen?

Es fährt im Nebel, wann kommt die Sonne? 

Manchmal habe ich kurz klare Sicht, dann drehe ich mich weiter. 

Irgendwann mss ich springen, wenn ich nicht für immer weiter sitzen, weiter drehen will. 

Bin auf der Suche nach genug Kraft, genug Mut dafür.

Was kommt dann? Ein gerader Weg, ein Irrgarten, ein schmaler Bergpfad? 

Kommt dann endlich mein Licht, meine Erleuchtung?

Oder stürze ich dann endgültig in den Nebel, in den Abgrund?

1 Kommentar 29.7.10 21:10, kommentieren

Essen als Spiegel des Lebens

Ich mache mich jetzt auf Spurensuche, wie mein Essverhalten in den 3 Semestern meines Studiums mein Verhalten im Studium wiederspiegelt, vielleicht finde ich ja dann heraus, womit ich am besten leben kann.

1.Semester
Von Orthorexie bis Schokosucht: Super Start und durchwachsenes Ende


Im ersten Semester habe ich ernährungsmäßig ultragesund angefangen und war hochmotiviert. Ich wollte gut sein dieses Semester, besser als in der Schule, ich wusste, dass ich intelligent genug war.
Ich habe wenig gegessen, viel Obst und Gemüse, und sehr darauf geachtet, auch zu den Hauptmahlzeiten sehr gesund zu essen. Aber ich habe nicht extrem mager gegessen, nahm zum Beispiel sehr gern Olivenöl zu meinen Mahlzeiten. Ich machte täglich direkt nach dem Aufstehen zehn Minuten Yoga und ging den Berg zum Universitätsgebäude meist zu Fuß rauf und runter.

Ich war topfit, fühlte mich wohl und sah gut aus. Ich nahm etwas ab, aber nicht besorgniserregend, ich war eher vorher zu üppig.
Allerdings wurde das Studium immer stressiger. Meine neue Freundin aß viel Schokolade als Stressfutter und bot mir immer wieder welche an.

Gleichzeitig hielten mir meine Eltern vor, ich sei zu dünn.
Also fing ich an, Schokolade zu essen, nahm natürlich wieder etwas zu. Es hielt sich aber im Rahmen, dennoch kam ich immer schlechter ohne Schokolade aus, vor allem eben bei Stress.

Es half natürlich nicht wirklich. Ich verbrachte wieder mehr Zeit damit, zu essen, als damit, etwas für die Uni zu tun.
Meine Leistungen waren durchwachsen, ich hatte vier Vorlesungen, und für die bekam ich dann Noten von 1 bis 4.

Also manches gut, manches eben nicht.
Zu Beginn des Semesters, als ich mich gesünder ernährt hatte, waren meine Leistungen besser.
Und ich hatte nun den Hunger auf Schokolade am Hals.


2.Semester
Bulimie: Leben in glitzernden Scheinwelten, bis die Wände platzen


Dieses Semester aß ich von Anfang viel mehr als das vorherige, aber ich trieb auch mehr Sport. Ich verbrachte ungefähr jeden Tag 1-2 Stunden mit Hochschulsport, habe mich für fast jeden Lehrgang in dem Bereich angemeldet.

Ich lebte dieses Sportleben, aß dann aber zuhause oder unterwegs alles, was ich kriegen konnte, auch sehr viele Süßigkeiten. Ich trainierte aber alles wieder ab, ich musste nicht oder nur selten kotzen. Ein paarmal habe ich mich mit Essen im Wald versteckt, habe gestopft und hatte dann Freiraum zum Erbrechen, aber da ich es nicht wirklich hingekriegt hatte, machte ich halt eben noch mehr Sport.

Ich, Langzeitsingle, hatte einen Freund. Ich verbrachte viel Zeit mit ihm, stellte ihn aber nie meinen Eltern vor. Das Leben mit ihm und das Leben zuhause waren voneinander getrennt. Ich log auch häufig, um die Trennung aufrechtzuerhalten, so dass ich die Zuhausewelt und die Freundhabewelt auch noch managen musste.

Und dazu die Uniwelt.
Ich tat manchmal viel fürs Studium, aber die Zeit war knapp.
Ich war immer auf Volldampf. Beim Fressen und beim Sport reagierte ich mich ab. Schlaf bekam ich wenig, musste ich doch noch Zeit für meinen Freund erübrigen.

Ich bekam in einem Fach nur knapp die Klausurzulassung, doch ich schaffte es.
In allen anderen Fächern war dies mein bestes Semester, ich schaffte Spitzennoten.
Aber eine Arbeit, die ich erst nach Semesterende abgeben sollte, machte ich nicht mehr.

Ich trennte mich von meinem Freund und hatte den Wunsch, auszuwandern. Zumindest wollte ich die Uni wechseln.
Alles fiel mir auf den Kopf, ich hatte alles satt.
Statt auszuwandern, machte ich nur einige Wochen Urlaub im Ausland.

Und blieb doch an meiner alten Uni.


3.Semester
Fressen, Fressen, Fressen: Betäube den Frust und spiele das patente Superweib

Ich fraß nun alles in mich hinein, hatte keinen Bock mehr auf Anstrengung, dachte, ich würde das Studium sowieso nicht schaffen.

An Diäten hatte ich die Lust verloren, an Sport auch. Ich stopfte und stopfte, wurde dick und frustriert.
Ich stopfte auch meinen Stundenplan voll, um ja nicht nachdenken zu müssen. Machte zig Extrafächer.
Trotzdem verlor ich die Lust, wurde depressiv.

Für mein eigenes Studium tat ich nicht mehr viel, aber ich half anderen.
Wenn wir Übungen zusammen abgeben durften, machte ich sie, um meiner Freundin ihr Studium nicht zu verderben.
Ich half meiner Schwester bei den Hausaufgaben.

Sonst machte ich nichts.
Ich hasste mich, weil ich fett und doof und faul war.
Und betäubte mich mit Essen, konnte nicht aufhören.
Alle Extravorlesungen brach ich ab, sie waren ja eh nicht Pflicht.
Die Pflichtsachen schaffte ich geradeso.

In einer Klausur wurde ich nur durch Zufall zugelassen und bestand sie auch nur zufällig, eine andere war erstaunlich gut, weil ich gerade mal einen Tag motiviert war und gelernt habe, das reichte da schon. Ok, befriedigend, aber für ein Semester, in dem ich geistig immer abwesend war...



Und wie wird nun das 4. Semester???

Ich habe das in der Hand.
Im 2.Semester war ich am Besten, aber ich gab auch alles.
Es nahm mir die Kraft fürs dritte Semester. Das möchte ich so nicht noch einmal durchmachen.


Wenn ich entscheiden kann, halte ich mich an den Beginn des ersten Semesters.
Alles, was mir schadet, lasse ich weg.

Habe ich die Kraft?
Kann ich das gegen andere durchziehen? Mich nicht von Schoki verführen lassen und nicht absichtlich zu viel fressen, damit ich nicht zu dünn wirke?


Gut, um zu dünn brauche ich mir keine Sorgen zu machen, ich habe noch genug Fett vom dritten Semester übrig.

Ich starte wieder durch!!!

1 Kommentar 14.2.10 22:16, kommentieren