auf der Suche nach mir selbst

Essen als Spiegel des Lebens

Ich mache mich jetzt auf Spurensuche, wie mein Essverhalten in den 3 Semestern meines Studiums mein Verhalten im Studium wiederspiegelt, vielleicht finde ich ja dann heraus, womit ich am besten leben kann.

1.Semester
Von Orthorexie bis Schokosucht: Super Start und durchwachsenes Ende


Im ersten Semester habe ich ernährungsmäßig ultragesund angefangen und war hochmotiviert. Ich wollte gut sein dieses Semester, besser als in der Schule, ich wusste, dass ich intelligent genug war.
Ich habe wenig gegessen, viel Obst und Gemüse, und sehr darauf geachtet, auch zu den Hauptmahlzeiten sehr gesund zu essen. Aber ich habe nicht extrem mager gegessen, nahm zum Beispiel sehr gern Olivenöl zu meinen Mahlzeiten. Ich machte täglich direkt nach dem Aufstehen zehn Minuten Yoga und ging den Berg zum Universitätsgebäude meist zu Fuß rauf und runter.

Ich war topfit, fühlte mich wohl und sah gut aus. Ich nahm etwas ab, aber nicht besorgniserregend, ich war eher vorher zu üppig.
Allerdings wurde das Studium immer stressiger. Meine neue Freundin aß viel Schokolade als Stressfutter und bot mir immer wieder welche an.

Gleichzeitig hielten mir meine Eltern vor, ich sei zu dünn.
Also fing ich an, Schokolade zu essen, nahm natürlich wieder etwas zu. Es hielt sich aber im Rahmen, dennoch kam ich immer schlechter ohne Schokolade aus, vor allem eben bei Stress.

Es half natürlich nicht wirklich. Ich verbrachte wieder mehr Zeit damit, zu essen, als damit, etwas für die Uni zu tun.
Meine Leistungen waren durchwachsen, ich hatte vier Vorlesungen, und für die bekam ich dann Noten von 1 bis 4.

Also manches gut, manches eben nicht.
Zu Beginn des Semesters, als ich mich gesünder ernährt hatte, waren meine Leistungen besser.
Und ich hatte nun den Hunger auf Schokolade am Hals.


2.Semester
Bulimie: Leben in glitzernden Scheinwelten, bis die Wände platzen


Dieses Semester aß ich von Anfang viel mehr als das vorherige, aber ich trieb auch mehr Sport. Ich verbrachte ungefähr jeden Tag 1-2 Stunden mit Hochschulsport, habe mich für fast jeden Lehrgang in dem Bereich angemeldet.

Ich lebte dieses Sportleben, aß dann aber zuhause oder unterwegs alles, was ich kriegen konnte, auch sehr viele Süßigkeiten. Ich trainierte aber alles wieder ab, ich musste nicht oder nur selten kotzen. Ein paarmal habe ich mich mit Essen im Wald versteckt, habe gestopft und hatte dann Freiraum zum Erbrechen, aber da ich es nicht wirklich hingekriegt hatte, machte ich halt eben noch mehr Sport.

Ich, Langzeitsingle, hatte einen Freund. Ich verbrachte viel Zeit mit ihm, stellte ihn aber nie meinen Eltern vor. Das Leben mit ihm und das Leben zuhause waren voneinander getrennt. Ich log auch häufig, um die Trennung aufrechtzuerhalten, so dass ich die Zuhausewelt und die Freundhabewelt auch noch managen musste.

Und dazu die Uniwelt.
Ich tat manchmal viel fürs Studium, aber die Zeit war knapp.
Ich war immer auf Volldampf. Beim Fressen und beim Sport reagierte ich mich ab. Schlaf bekam ich wenig, musste ich doch noch Zeit für meinen Freund erübrigen.

Ich bekam in einem Fach nur knapp die Klausurzulassung, doch ich schaffte es.
In allen anderen Fächern war dies mein bestes Semester, ich schaffte Spitzennoten.
Aber eine Arbeit, die ich erst nach Semesterende abgeben sollte, machte ich nicht mehr.

Ich trennte mich von meinem Freund und hatte den Wunsch, auszuwandern. Zumindest wollte ich die Uni wechseln.
Alles fiel mir auf den Kopf, ich hatte alles satt.
Statt auszuwandern, machte ich nur einige Wochen Urlaub im Ausland.

Und blieb doch an meiner alten Uni.


3.Semester
Fressen, Fressen, Fressen: Betäube den Frust und spiele das patente Superweib

Ich fraß nun alles in mich hinein, hatte keinen Bock mehr auf Anstrengung, dachte, ich würde das Studium sowieso nicht schaffen.

An Diäten hatte ich die Lust verloren, an Sport auch. Ich stopfte und stopfte, wurde dick und frustriert.
Ich stopfte auch meinen Stundenplan voll, um ja nicht nachdenken zu müssen. Machte zig Extrafächer.
Trotzdem verlor ich die Lust, wurde depressiv.

Für mein eigenes Studium tat ich nicht mehr viel, aber ich half anderen.
Wenn wir Übungen zusammen abgeben durften, machte ich sie, um meiner Freundin ihr Studium nicht zu verderben.
Ich half meiner Schwester bei den Hausaufgaben.

Sonst machte ich nichts.
Ich hasste mich, weil ich fett und doof und faul war.
Und betäubte mich mit Essen, konnte nicht aufhören.
Alle Extravorlesungen brach ich ab, sie waren ja eh nicht Pflicht.
Die Pflichtsachen schaffte ich geradeso.

In einer Klausur wurde ich nur durch Zufall zugelassen und bestand sie auch nur zufällig, eine andere war erstaunlich gut, weil ich gerade mal einen Tag motiviert war und gelernt habe, das reichte da schon. Ok, befriedigend, aber für ein Semester, in dem ich geistig immer abwesend war...



Und wie wird nun das 4. Semester???

Ich habe das in der Hand.
Im 2.Semester war ich am Besten, aber ich gab auch alles.
Es nahm mir die Kraft fürs dritte Semester. Das möchte ich so nicht noch einmal durchmachen.


Wenn ich entscheiden kann, halte ich mich an den Beginn des ersten Semesters.
Alles, was mir schadet, lasse ich weg.

Habe ich die Kraft?
Kann ich das gegen andere durchziehen? Mich nicht von Schoki verführen lassen und nicht absichtlich zu viel fressen, damit ich nicht zu dünn wirke?


Gut, um zu dünn brauche ich mir keine Sorgen zu machen, ich habe noch genug Fett vom dritten Semester übrig.

Ich starte wieder durch!!!

14.2.10 22:16

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