auf der Suche nach mir selbst

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Hey, ihr Lieben, danke für eure Kommentare.

@wolfsauge: ja, ich wünschte auch, ich könnte mal wieder echt weinen. Damals, in meiner Pubertät, habe ich so viel geweint, fühlte mich unglücklich, aber immerhin konnte ich alles rauslassen, habe die Gefühle noch zugelassen. Zumindest wenn ich allein war.
Jetzt spüre ich zwar diesen See in mir, mir ist so oft zum Weinen zumute, und doch weine ich nicht.
Irgendwie muss ich einen Weg finden, zu weinen, einfach alles rauslassen.

Nein, ich habe mich niemandem anvertraut. Ok, meine Mutter merkt, wie mein Essverhalten manchmal schwankt, sie sieht auch meine zeitweise Antriebslosigkeit, aber das Meiste verberge ich hinter meiner Maske.
Meine Freundinnen merken noch weniger. Ich verberge mich da hinter einer völlig "normalen" Maske, habe eine "normale" Figur, nicht dick, nicht dünn, esse in der Öffentlichkeit grundsätzlich normal, vielleicht ein wenig gesünder als andere, und bin fast immer am Lächeln. Früher war ich immer am Lächeln, bis mir mal eine Freundin gesagt hatte, dass das nicht lebendig, nicht menschlich wirkt, also habe ich mittlerweile ein paar Gefühle eingebaut, nicht alles, was ich fühle, aber gerade so viel, dass es real wirkt, lebendig.
Damals, noch in der Schule, hatten mal ein paar Mädels ein Gespräch über depressive Stimmungen, ich wollte da auch was zu sagen, aber sie nahmen mir nicht ab, dass ich solche Stimmungen überhaupt kenne, ich war ja die immer Lustige.
Ja, vielleicht sollte ich mich jemandem anvertrauen, aber irgendwie bin ich noch nicht bereit dazu. Ich habe mich an meine Masken zu sehr gewöhnt, und ich kämpfe ja auch noch, und ich denke oft, ich kann es ja mal irgendwann erzählen, wenn ich drüber hinweg bin, in der Vergangenheitsform. Und ich vertraue keinem in meiner Umgebung wirklich, was so schade ist, eigentlich sollte jeder Mensch jemanden haben, dem er vertrauen kann. Im Moment kann ich aber glaub ich so viel Nähe nicht zulassen.


@kiso: Danke für dein Kompliment, ich fühle mich geehrt.
So, dass es für mich selber sichtbar ist, habe ich mein Essproblem erst ungefähr zwei Jahre. Davor war es wohl im Hintergrund auch vorhanden, dass ich mal heimlich Süßigkeiten in mich reingeschlungen habe oder dass ich jahrelang mein Abendessen zugunsten von Sport gekippt habe und entweder hungerte oder fraß, wenn ich Probleme mit meinen Emotionen hatte; aber es war nicht wichtig damals insofern, dass es meine Gedanken ständig beschäftigt hatte, und ich hatte mich auch bis vor zwei Jahren weder für Kalorien noch für Zahlen auf der Waage interessiert, nur für meinen Bauch, wie der sich anfühlte und aussah.
Dann kam das Abi, Misserfolge bei Bewerbungen, Perspektivlosigkeit, und soviel freie Zeit, die ich mangels anderer Beschäftigung mit Nachdenken übers Essen verbracht habe, mit der Zubereitung von Essen, mit Fasten, mit Sport usw. Habe mit dem deutlicher werden einer Essstörung die Leere in mir gefüllt.
Aber ich suche nach so viel mehr, möchte nicht nur in meiner Leere rumwühlen, sondern richtig Leben, für etwas sinnvolles leben, glücklich werden.
Ein entscheidender Auslöser war wohl auch, dass mir das Reiten genommen wurde, also im Kopf, ich hatte mich als Pferdewirtin zur Ausbildung beworben und wurde als untalentiert abgelehnt, nachdem mir vorher jahrelang das Reiten in allen Situationen geholfen hatte, musste ich nun hören, dass ich zu blöd dafür war. Gut, ich konnte immer noch Reiten gehen, aber es fühlte sich nicht mehr so gut an.
Trotzdem, richtig tief in die Essstörung bin ich nie reingerutscht, sie war zwar im Kopf ständig vorhanden, aber gelegentlich konnte ich auch normal essen, und ich glich Hungerphasen mit Fressphasen aus oder umgekehrt, und vor Menschen aß ich immer normal, also rein äußerlich konnte man mir wohl nichts ansehen.


Ja, wie oft habe ich schon ein Buch am Stück durchgelesen, hab meinen ganzen Nachmittag und die halbe Nacht gelesen, konnte einfach nicht aufhören.
Ich hab so viele Bücher, die so großartig geschrieben sind, dass ich sie mehrmals lesen musste, und es ist auch so schön, einfach mal für eine Zeitlang ein anderer Mensch zu sein, die Hauptperson im Buch statt mein eigenes armseliges Ich.

 

Noch mal zu dem Maskenthema: So eine Maske kann auch eine Falle sein, nämlich wenn ich immer nur daran arbeite, meine Maske zu perfektionieren, und dabei mein eigenes, eigentliches Ich vergesse.
Und auch dann, wenn ich dadurch missverstanden werde. Mein Exfreund (ich hab ihn ein paar mal hier im Blog erwähnt, wer will, kann es nachlesen) hat mich während unserer Beziehung immer fröhlich, gesund, ein bisschen exzentrisch und immer lachend erlebt, und nach dem Aus hielt ich es nicht mehr für nötig, ihm meine lachende Maske zu zeigen, also glaubte er, ich sei unglücklich ohne ihn, weil ich ja in seiner Anwesenheit nicht mehr lachte. Und weil ich ja so fröhlich war damals und mich so gesund ernährte, nahm er mich als Vorbild, als Antidepressivum (er hatte auch Stimmungsschwankungen), als Abnehmhilfe und als Vorbild, mehr Sport zu machen.
Ja, es ist schön, anderen so helfen zu können, aber meine wahre Persönlichkeit ging dabei völlig unter, und als ich ihn mal tiefer in mich einblicken lassen wollte, da weigerte er sich, mich anders zu sehen, als das Idealbild, das ich ihm von mir zeigte und das sich in seinem Kopf festgesetzt hatte.

Ich wusste, dass ich niemals perfekt sein kann, aber ich wollte zumindest perfekt wirken, bastelte mir eine perfekte Maske zusammen, für jeden in meiner Umgebung ein bisschen anders, fröhlich war immer mit drin, aber je nach Person dann noch lieb oder selbstbewusst, temperamentvoll oder ruhig in verschiedenen Abstufungen. Gebildet, sportlich, ausgeglichen, mit einer gesunden Einstellung zum Aussehen und zum Essverhalten, ein bisschen fleißig, aber keinesfalls eine Streberin, nicht zu perfekt und abgehoben, sondern perfekt normal, so wie ich mit anderen am Besten klarkommen konnte. Und so wenig davon ist echt. 

Und heimlich, selbst vor mir verborgen, suche ich nach echter Perfektion, absoluter Perfektion, obwohl ich weiß, dass sie  nicht existiert, aber vielleicht, vieleicht ja doch, und es hat sie bloß noch keiner erreicht.

 

Zwischenbilanz: Was an mir ist echt? Was bin ich und nicht meine Maske?

*ich bin Vegetarierin

*ich lese und schreibe gern

*ich weiß, dass ich noch nicht am Ziel bin

so wenig, was ich wirklich mit voller Überzeugung von mir sagen kann. 

Ich suche weiter, irgendwo muss noch mehr Erkenntnis sein. 

 



Danke für eure positiven Wünsche und Energien

1.8.10 10:54

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


kiso (1.8.10 19:45)
Deine "Zwischenbilanz" ist doch mehr als vorbildlich :-) als ich 21 war hatte ich nur Flausen im Kopf ;-) Dieses Streben nach Perfektion in jeder Lebenslage kenne ich auch. Und es ist schwierig sich von seinen hohen Leistungsansprüchen ein wenig zu lösen, alles ein wenig gelassener zu sehen. Das kommt mit der Zeit von allein, glaub mir. Hab Geduld mit dir, ich weiß das dies ein schwieriges Unterfangen bedeutet. Bist du ungeduldig mit dir selbst? Verlierst du schnell den Mut wenn etwas nicht gleich funktioniert? Wie ist es im Moment mit dem Reiten? Lass dir nicht von irgendwelchen Besserwissern erzählen was du kannst oder nicht kannst. Wenn du Leidenschaft in jeder Faser deines Körpers und deiner Seele spürst, kann es nicht falsch sein etwas zu tun was dir Freude und Liebe bringt.
Ich habe früher oft gedacht: mein gott, ich hab nichts aber auch gar nichts zu Stande gebracht. Jetzt, zurückblickend, war es eine Reise. Eine Reise mit Umwegen, Abkürzungen, Stolpersteinen. Aber jeder Moment für sich, ob positiv oder negativ hat mich zu dem Menschen gemacht der ich heute bin. Dieses Gefühl, ich muss doch aber schneller, besser, freundlicher, intelligenter usw. sein zeigt einem nur auf, das wir Menschen sind und das es okay ist mal schlecht drauf zu sein. Wir lernen aus Erfahrung. Und nur wenn wir den Schritt wagen, unser Herz zu öffnen, zeigen wer wir sind, erst dann passiert das, was wir leben nennen. Du bist auf einem guten Weg. Hab keine Angst mal einen oder zwei Schritte zurück zu gehen. Das gehört dazu. Folge deinem Herzen und ich wünsche dir einen sonnigen und fröhlichen Start in die neue Woche :-)

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