auf der Suche nach mir selbst

Zwei kämpfende Raubtiere

Solange sie miteinander beschäftigt sind, können sie mir nicht allzuviel tun.

Erst wenn ich eins töte, greift das andere mich an. 

Meine zwei Esstörungen sind diese Raubtiere, Fresssucht und Sucht nach Hungern. 

Meist halten sie sich wunderbar die Waage, ich denke zwar immer zu viel übers Essen nach, aber ich ess mal zu viel mal zu wenig, und keinem fällts auf, und ich kann damit auch leben. 

Dann habe ich gegen die Fresssucht gekämpft. Schon hat das Hungern mich überfallen, wochenlang aß ich kaum was, hatte auch keinen Hunger und keinen Bock auf Essen. 

Dann gönnte ich mir eine Ausnahme, befreite die Esssucht aus ihren Fesseln, ihrer Betäubung, und alles war wie beim Alten. Fressen, hungern, fressen, hungern. 

Dann wollte ich gar nicht mehr essgestört sein. Hörte auf, zu hungern, aß normal. Hungersucht lag gefangen am Boden. Und nach dem Essen überfiel mich das Raubtier Fresssucht, zwang mich dazu, immer weiter zu essen.Im Urlaub heimlich Schokotafeln einzuschieben, wenn mein Bruder auf Klo war. Stof, stopf, stopf. Bis ich mal irgendwann platze und dick und fett werde.

Vielleicht sollte ich die Hungersucht wieder frei lassen. 

Besser, die Raubtiere kämpfen gegeneinander und ich kann interessiert zuschauen, als dass sie mich überfallen, mich beherrschen. 

Wie geht man mit unsterblichen Raubtieren um? Beide fesseln, beide betäuben? Kann ich sie irgendwie vertreiben? Oder lassen sich sich zähmen, zu zahmen Hauskatzen machen? Oder einfach weiterkämpfen lassen? 

Irgendwie fasziniert mich gerade der Gedanke, sie zu zähmen. Dann habe ich zwei starke Begleiter, mit denen ich vor nichts sonst mehr Angst haben muss. 

Klingt gut, muss ich nur noch praktisch umsetzen. Wird noch spannend.

15.8.10 17:07

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