auf der Suche nach mir selbst

Erwachsen werden - Fasten als Übergangsritual (?)

Irgendwie hat es sich in meinem Kopf fest gesetzt.

Ich kann erst erwachsen und selbstverantwortlich werden, wenn ich mal drei Wochen gefastet habe. 

Mikao Usui, der Reiki-Gründer hat es getan. Buddha hat gefastet, Jesus hat gefastet, Mohammed hat gefastet.

Ich will auch. 

In vielen Indianerstämmen gehörte es früher zum Kult, Jugendliche solange fasten zu lassen, bis sie Wahnvorstellungen hatten, und diese Visionen bestimmten dann ihr Lebensziel, wie sich sich verhalten wollten und was für geheime Fundstücke sie als Glücksbringer bei sich trugen. 

Was ist dran? Bin ich eine abgehobene Träumerin? 

Ich habe kürzlich fest gestellt, es geht mir bei meinem essgestörten Verhalten gar nicht so sehr ums Abnehmen. 

Es geht mir mehr ums Fastenerlebnis, und danach möchte ich restriktiv essen. Nicht um davon richtig dünn zu werden, sondern weil ich es als so gierig empfinde, viel zu essen. 

Das steht einem erwachsenen, reifen Menschen nicht zu, der soll was Vernünftiges aus seinem Leben machen, statt es mit Fressen zu verbringen. Und ok, das hat jetzt doch mit Figur zu tun, der soll keinen albernen Babyspeck mit sich schleppen, sondern, nur aus Knochen, Muskeln und ganz viel Geist und Seele bestehen. 

Ich mag nicht eine dieser Frauen sein, die zwar schön und rund und sexy sind, aber ihre Reize dazu einsetzen, dass andere Menschen für sie stark sind. 

Ich suche selber nach eigener Stärke, möchte unabhängig von Männern sein, die mich süß finden, und ein fettfreier Körper ist ein Symbol dafür. 

Ich kann dieses Klischee nicht verstehen, dass Magersüchtige Kind bleiben wollen und sich ihre weiblichen Merkmale weghungern wollen, bei mir ist es eher andersherum. Fett und Gier und ungehemmtes Essen als Bedürfnis stillen ist kindisch. 

Um erwachsen zu werden, sollte man seine Bedürfnisse einschränken und anderen helfen. Essen nicht mehr als Beruhigung und Vergnügen, sondern wenig und ethisch sinnvolles Essen (mindestens vegetarisch), um den Körper gesund zu erhalten. 

Nicht mehr, Spaß am Essen konnte man doch genug haben, als man noch Kind war und wachsen musste. 

Außerdem, Spaß am Essen hatte ich das letztemal in einer meiner Hungerphasen, als ich jeden meiner wenigen Bissen begeistert berochen habe, jeden Krümel einzeln schmecken konnte und mir dazu immer wieder mit geschlossenen Augen die Sonne ins Gesicht scheinen lassen konnte.

In meinen Normalessphasen brauche ich zu viel Disziplin, um nicht entweder alles stehen zu lassen oder direkt die ganze Küche leer zu fressen. 

Und wenn ich viel esse, dann ekele ich mich zu viel vor mir selber, um es noch genießen zu können. 

Ich träume nicht davon, dünn zu werden und alles essen zu können, sondern das begrenzte Essverhalten ist mein Traum. 

Und solange ich mein Fasten nicht hinter mich gebracht habe und dann versuche normal zu essen, fühle ich mich noch als Kind, das hemmungslos seinen Bedürfnissen nachgehen darf. 

Und fresse. 

Ein Kind kann die Verantwortung abgeben, wird irgendwann gestoppt. Mich stoppt keiner mehr, außer vielleicht mein Magen, wenn nichts mehr passt. 

Und doch, irgendwas hält mich noch von meinem Fasten ab. 

Ich suche nach dem richtigen Termin, wo ich wirklich drei Wochen Ruhe habe, ohne jemanden vor den Kopf stoßen zu müssen, der mich zum Essen einladen will. 

Ich fühle mich noch zu sehr als Kind, um selber zu entscheiden, jetzt gegen den Willen aller so lange zu fasten. 

Ich weiß zu viel über Essstörungen und habe Angst, dadurch rutsche ich noch tiefer in ein gestörtes Verhalten. 

Und doch will ich es, jeden Tag mehr. 

Und bis ich es mal mache, hüpfe ich zwischen Hungern und Fressen und ein bisschen halbherzigem Normalessen hin und her.

Wann kommt mein Tag?

15.8.10 17:33

bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


coldplay / Website (16.8.10 14:40)
und jetzt suche die widersprüche in deinem eintrag.
auf deiner einen seite sprichst du vom fasten und sagst dann: "sondern wenig und ethisch sinnvolles Essen (mindestens vegetarisch), um den Körper gesund zu erhalten."
drei wochen fasten ist ne menge, aber nicht gesund. und das fasten bis zu halluzinationen ist auch alles andere als gesund.
ich lese hier nur gendanken der es (ich neige dazu, die ES und die person voneinander zu trennen, weil ich die ES nicht als einen teil von mir oder gar meines lebens halte).
was hättest du davon nur aus knochen und muskeln zu bestehen? dann bist du nicht unabhängig oder stark, dann liegst du im krankenhaus.

take care


Weg Suchende / Website (16.8.10 15:33)
ich seh da keine Widersprüche, weil das ja ne zeitliche Reihenfolge haben soll, erst Fasten und dann das vernünftig essen.
Ich würde auch mal sagen, ich liege nach der Zeit noch nicht im Krankenhaus, weil ich mit fast 10 Kilo Spielraum im Normalgewicht bin, und so nach bisherigen Erfahrungen mit dem Abnehmen müsste ich nach den 3 Wochen gerade erst im leichten Untergewicht sein. (Vielleicht habe ich ja instinktiv in der letzten Zeit so viel gefressen, um mir Vorräte fürs fasten zu verschaffen)
Ok, mag sein, dass das trotzdem nicht gesund ist, aber dieses nur ein paar Tage hungern und dann ein paar Tage fressen, bis nichts mehr geht, ist vermutlich noch ungesünder.
Und außerdem waren das einfach die Gedanken, die mir gerade durch den Kopf schwirrten, mag sein, dass meine ES gerade die Überhand hat.
Eigentlich weiß ich ja, dass immer gleichmäßig durchessen in vernünftigen Mengen sehr viel gesünder ist als diese grässlichen Extreme, aber es berührt mich nicht im Innern. Meine Vernunft sieht es gerade so ein, aber nicht mein Herz.
Der Gedanke ist so zwingend, er hat mich im Griff. Aber nicht unangenehm, sondern faszinierend.


coldplay / Website (16.8.10 15:53)
man muss kein starkes untergewicht haben, um körperliche schäden davon zu tragen
es kommt weniger auf die zahl auf der waage an, als die ernährungsweise.

und dass du die unlogik in dem nicht siehst, war mir - ohne dich beleidigen zu wollen - klar

take care


Weg Suchende / Website (16.8.10 16:24)
hmm, hast ja recht, hab auch schon meine ES im Verdacht, dass die lauter logische Begründungen für mein Verhalten suchen will, wo es gar keine Logik gibt :D
Ich glaube bloß kaum, dass vom reinen Hungern stärkere Schäden entstehen können wie vom ständigen Wechsel zwischen Hungern und Überfressen oder gar vom dauerhaften Überfressen. Meine Ernährungsweise ist eh aktuell im Arsch, um es mal so auszudrücken.
Also blieben ja meine Schäden gleich, egal ob ich nun so weiter mache wie jetzt oder doch faste, und rein psychisch könnte es mir sogar besser gehen, weil ich etwas verwirkliche, wovon ich schon seit einigen Jahren träume.

Hach ja, wie gesagt, so viel "logisches" Gequassel, wo gar keine Logik ist.

Mal gucken, ob ich dem Gedanken mein Leben lang wiederstehen kann, oder ob ich es tatsächlich doch mache.
( Achtung ES-Stimme: )So viele alte Menschen reden doch eher davon, dass sie es bereuen, etwas nicht getan zu haben, als etwas getan zu haben. Vielleicht ist das Fasten auch eins von den Dingen, das ich später bereuen würde, wenn ich es nicht machen würde. (ES-Stimme aus)

Außerdem (sh. mein anderer Blogeintrag) freut sich meine Fresssucht, wenn ich gegen die Hungersucht erfolgreich kämpfe und mir dann die Kraft fehlt, das Fressen auch noch zu besiegen. Was wird dann?


coldplay / Website (16.8.10 16:31)
es geht nicht darum, in einem oder im anderen extrem zu sein.
schwwarz oder weiß ist nicht gut.
vielleicht als farbe auf kleidung oder anderen gegenständen, aber nicht in sachen verhalten und denken.
es geht nicht darum die hunger- oder die fresssucht zu besiegen. es geht darum, die essstörung zu besiegen. die krankheit.
letzenendes ist es egal, ob man sich vollfrisst oder hungert.
essstörung ist essstörung.
es geht auch nicht darum gedanken zu unterdrücken oder zu widerstehen, es geht darum UMZUDENKEN und so eine grauzone zu finden. das gesunde mittelmaß.

take care


Ophelia / Website (30.8.10 21:42)
Ärzte diagnostizierten bei mir Wahnvorstellungen, und ich kann dir sagen, das ist echt das letzte, was du dir selbstinduziert zufügen solltest. Es ist schrecklich, es zerstört und zerfrisst dich. Vergiss es, mit dem zu langen fasten. Fasten mit Flüssignahrung finde ich gut, als Entschlackung, aber ansonsten sind mehrere Wochen ungesund. Ich habe mal eine Woche gefastet und war dann am Ende meiner Kräfte.
LG,
Ophelia

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